Auf dem Areal des ehemaligen Wenckebach-Krankenhauses in Tempelhof soll eigentlich Deutschlands größter Ausbildungscampus für Pflege- und Gesundheitsberufe entstehen. Doch im Haushaltsentwurf des Landes Berlin stehen bislang keine Mittel, die nötig wären, um den Bau des Millionenprojekts anzuschieben. Auch die langfristige Finanzierung ist noch ungeklärt.

Der landeseigene Vivantes-Konzern, Bauherr des Projekts, rechnet mit 340 Millionen Euro Gesamtkosten. Zehn Jahre wird der Bau voraussichtlich dauern. Vivantes wünscht sich als ersten Schritt Planungsmittel in Höhe von rund 24 Millionen Euro. Der Senat stellt dem Krankenhausbetreiber derzeit aber nur zehn Millionen Euro aus dem Infrastruktur-Sondervermögen „Siwa“ in Aussicht. Dass Konzernchef Johannes Danckert gerade jetzt, kurz vor Abschluss der Haushaltsverhandlungen auf Landesebene, zwei Bundespolitiker:innen über das Areal geführt hat, kann als Signal gedeutet werden.

Mit Kevin Kühnert, dem Generalsekretär der SPD und Bundestagsabgeordneten für Tempelhof-Schöneberg, sowie der Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung Claudia Moll hatte Danckert am Mittwoch gleich zwei SPD-Leute bei sich, deren Partei an der Berliner Landesregierung beteiligt ist. „Ich bin zuversichtlich, dass die Landespolitiker die Bedarfe, die in den kommenden Jahren auf uns zukommen werden, in den Haushaltsplan einfließen lassen“, sagte Danckert.

Vivantes würde gern erste Ausschreibungen veröffentlichen, zudem gibt es ein parteiübergreifendes Einverständnis darüber, dass Berlin einen zentralen Ausbildungscampus benötigt. Auf diesem könnten einmal bis zu 3.600 Auszubildende Pflege- und Gesundheitsberufe erlernen. Das Gemeinschaftsprojekt von Vivantes und Charité, die zwei Träger des 2020 gegründeten Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe, ist aktuell an drei Standorten in der Stadt verteilt. Die Schule bildet träger- und regionenübergreifend aus.

40 Prozent der Auszubildenden brechen ab

Dass ein zentraler Standort nötig ist, verdeutlichte die Geschäftsführerin des Bildungscampus, Christine Vogler, an der hohen Abbrecherquote ihrer Schule. Diese betrage mehr als 40 Prozent. Das liege unter anderem an der katastrophalen Baustruktur der jetzigen Standorte: Es sei brütend heiß im Sommer, und im Winter höre man das eigene Wort nicht, weil die alten Heizungen lauten Krach machten. Teuer seien außerdem die drei Verwaltungsapparate und die Mieten, allein für letztere bezahle der Bildungscampus vier Millionen Euro pro Jahr.

„Es interessiert niemanden, ob wir in 15 Jahren mit Boston mithalten, wenn wir nicht die basale Gesundheitsversorgung aufrechterhalten“, sagte auch Danckert. Er meinte damit die Pläne von Politik und Wirtschaft, Berlin zu einer Medizinmetropole mit internationaler Strahlkraft zu machen – womit insbesondere günstige Kapitalbedingungen gemeint sein werden. Danckert beklagte sich außerdem über das Pflege-Leasing. Anteilseigner dieser Firmen, die Pflegeschichten an Leiharbeiter:innen vermitteln, säßen oft im Ausland und hätten eine feste Renditeerwartung. „Wir haben schon 70 Millionen Euro an private Firmen gezahlt“, sagte er und spitzte zu: Den Porsche der Firmenchefs bezahlten letztlich die GKV-Versicherten.

Das Leasing ist in Ballungsräumen ein Problem aufgrund des Pflegekraftmangels, Unternehmen in dem Geschäftsfeld können den Kliniken ihre Bedingungen weitgehend aufoktroyieren. In Berlin decken Zeitarbeitsfirmen bis zu zehn Prozent der Pflegeschichten ab, die Leiharbeiter:innen verdienen deutlich besser als ihre festangestellten Kolleg:innen. Eine Regulierung ist jedoch schwierig. Laut Claudia Moll ist ein Verbot aus rechtlichen Gründen unmöglich.