Alle Kolleginnen und Kollegen kennen in Berliner Schulen die Phänomene: Auf Schulhöfen gilt „Du Jude“ wieder als eines von vielen möglichen Schimpfwörtern, die Existenz von Hitlers Rassenpolitik wird in Teilen in Frage gestellt, Schülerinnen und Schüler schreiben im Fach Geschichte zum Thema Nationalsozialismus kurz vor dem Abitur „lehrerkonforme“ Klausuren – und äußern das dann in persönlichen Gesprächen mit der Lehrkraft („Bei Ihnen darf man das ja nicht gegen Juden schreiben“, „Sie geben mir ja dann eine schlechte Note, wenn ich etwas gegen die Juden schreibe“, ...).

Verschärfung der Phänomene im vergangenen Jahr

Beim Thema „Nahostkonflikt“ gehen die Wogen hoch, ein methodisch multiperspektivisch gestalteter Unterricht ist kaum möglich, da ansonsten die Mehrheit Israel als Satan oder Gaza als KZ bezeichnen würden, in dem ein „Genozid an den Palästinensern stattfindet“. All das kommt nicht in allen Kursen oder Klassen vor, an manchen Schulen auch gar nicht, aber insgesamt sind diese Phänomene seit Jahren bekannt: Im vergangenen Jahr wurden sie rekurrenter und radikaler.

Die Senatsbildungsverwaltung reagiert auf diese Phänomene nicht proaktiv: Sie schützt nicht die Kolleginnen und Kollegen, die von radikalisierten Schülerinnen und Schülern verbal oder sogar brachial angegriffen werden. Freiwillige Fortbildungen und ein paar– an sich lobenswerte –Projekte reichen nicht, um dem etwas entgegenzusetzen.

Antisemitismus ist im Berliner Alltag präsent

Ein Forschungsprojekt des „Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment“ untersuchte von 2018 bis 2020 Berliner Schulen und legte eine Studie zum Thema „Antisemitismus in Berliner Schulen“ vor. In der Zusammenfassung steht lapidar: „Antisemitische (Sprach-)Handlungen und antisemitische Praktiken sind, den empirischen Befunden der Studie folgend, Teil des Schulalltags.“ Fünf Vorschläge werden den Akteuren in der Berliner Schule am Ende ans Herz gelegt. Keiner davon wurde bisher nachhaltig umgesetzt.

Seit 2020 liegt diese Studie vor. Bisher ist praktisch kaum etwas gegen den strukturellen Antisemitismus in Berliner Schulen geschehen – weder von der Senatsbildungsverwaltung, noch von den jeweiligen SPD- oder CDU-Bildungssenatorinnen. Leuchtturmprojekte, wie beispielsweise der Rütli-Campus, sind begrüßenswert, sind aber keine strukturelle Strategie. Politik und Verwaltung scheinen von außen betrachtet kein nachhaltiges Konzept zur Lösung des Antisemitismusproblems in Berliner Schulen zu haben.

Antisemitismus gibt es mittlerweile aber nicht nur an Berliner Schulen, sondern auch an den Berliner Universitäten, auf der Straße, im Alltag, in der U-Bahn, es gibt antisemitische Demonstrationen. In Berlin ist Antisemitismus ein fester Bestandteil des Alltagslebens geworden: Davidsterne werden wieder an Türen angebracht; Berlinerinnen und Berliner sind offen Antisemiten. Dabei geht dies durch alle Schichten: Studierende, Schülerinnen und Schüler, junge Erwachsene und auch ältere Personen. Der Antisemitismus ist rechtsextrem, linksextrem oder islamistisch motiviert, er wird offen ausgelebt und ausgesprochen.

Die Berliner Schule ist bei der Antisemitismus-Prävention krachend gescheitert, ebenso die Berliner Schulverwaltung und die Berliner Bildungssenatorinnen. In Berliner Schulen wird schon lange nicht mehr der Paragraf 1 des Berliner Schulgesetzes gelebt und respektiert: „Ziel muss die Heranbildung von Persönlichkeiten sein, welche fähig sind, der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren entschieden entgegenzutreten … .“

Schüler sind teils offen islamistisch und gewaltbereit

Viele Schülerinnen und Schüler sind nicht fähig, der Ideologie des Nationalsozialismus oder anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren entschieden entgegenzutreten. Im Gegenteil: Sie sind offen islamistisch, antisemitisch und gewaltbereit, sie verachten das Grundgesetz und berufen sich auf einen Koran, den es so gar nicht gibt, mit einem durch den politischen Islam des 20. Jahrhunderts verfälschten Interpretationsmuster, das sogar den Mord an Andersgläubigen rechtfertigt. Der Koran rechtfertigt aber weder Terrorismus noch die Tötung anderer Menschen. Dies ist eine salafistische und islamistische Fehlinterpretation, um westliche Gesellschaften zu bekämpfen.

Nach dem Abitur wandert das Problem an die Unis

Berliner Schülerinnen und Schüler vertreten diese salafistische Ideologie, bekommen damit das Abiturzeugnis, studieren an der UdK, HU und FU und sind Teil von islamistischen Besetzungsszenarien, denen die Berliner Universitäten zum Teil hilflos gegenüberstehen.

Mehr historisch-politische Bildung wäre sicherlich in dieser Situation – wie schon seit vielen Jahren – nicht falsch, aber sie wäre nicht hinreichend. Längst ist Antisemitismus in Berlin ein gesellschaftlich fest verankertes Phänomen – auch in der Berliner Schule. Senatorinnen und Senatsbildungsverwaltung gaben der Lösung dieses Problems bisher zu wenig Priorität.

Zur strukturellen und nachhaltigen Lösung des Problems müssten beispielsweise gehören: verpflichtende Fortbildungen, mindestens zwei verpflichtende Projekttage pro Jahr, verpflichtende Module in der Lehrkräfteausbildung. Nur so könnte in den Berliner Schulen langsam, konsequent und stetig der Antisemitismus wieder bekämpft werden. Der Zeitrahmen dafür geht sicherlich weit über ein bis zwei Jahre hinaus. Es ist eine Aufgabe für die nächsten Generationen – für die nächsten 50 Jahre.